Martin HĂ€usling zur Zulassung von Genmais

2a8b8876e4-400Zum Abstimmungsverhalten der Mitgliedstaaten – insbesondere Deutschlands – bei der Frage der Zulassung des Genmais 1507, erklĂ€rt Martin HĂ€usling, agrarpolitischer Sprecher der GrĂŒnen/EFA im EuropĂ€ischen Parlament und Kandidat fĂŒr das Europaparlement:

Ein Schlag ins Gesicht der europÀischen Verbraucher

2009-02-11_MH_5MB-300

Martin HĂ€usling, Mitglied im EuropĂ€ischen Parlament seit 2009. Agrarpolitischer Sprecher der GrĂŒnen.

„Was schert uns der Wille der europĂ€ischen Verbraucher –  das war offensichtlich heute die Einstellung der LĂ€ndervertreter des Vereinigten Königreichs, Schwedens und Spaniens, die fĂŒr eine Zulassung des umstrittenen Genmais 1507 ausgesprochen haben. Aber auch Deutschland und drei andere Staaten (Portugal, Belgien und die Tschechische Republik), die sich der Stimme enthalten haben, taten dies im Wissen, was ihre Enthaltung bewirkt. Diese MinoritĂ€t ermöglicht es, dass nach 16 Jahren zum ersten Mal wieder eine Genmaissorte zugelassen wird. Das ist ein Schlag ins Gesicht der europĂ€ischen Verbraucher.
Es ist der rĂŒcksichtslose Fortschrittsglaube an die Gentechnik, die in den USA schon lĂ€ngst bewiesen hat, dass sie Bauern, Verbrauchern und Umwelt nichts bringt, oder das Einknicken vor der Lobby der industriellen Landwirtschaft, was die Zustimmung und ‚Enthaltung‘ begrĂŒndet. Der Respekt vor dem Willen der Mehrheit der EuropĂ€er ist es jedenfalls nicht.
In einer Abstimmung im Januar hatte das EuropĂ€ische Parlament die Kommission aufgefordert, die Genehmigung zurĂŒckziehen. Und auch 19 LĂ€nder – unter anderem Frankreich, Italien, Österreich, Polen, die Niederlande, Lettland, Litauen, DĂ€nemark, Malta, Luxemburg, Irland, Griechenland, RumĂ€nien und Ungarn – haben sich heute dagegen ausgesprochen.
Die EU schreibt ein hohes Schutzniveau fĂŒr Umwelt und Verbraucher vor und sieht deshalb eine umfassende RisikoprĂŒfung seitens der EFSA vor. Wir GrĂŒne meinen: Vor diesem Hintergrund, sind die Voraussetzungen fĂŒr eine Zulassung des Genmais 1507 nicht gegeben.“

Hintergrund:
Der  Genmais 1507, entwickelt von DuPont Pioneer, produziert ein Insektengift, das giftig fĂŒr Schadinsekten ist, und er ist resistent gegen die Wirkung des Unkrautvernichtungsmittels Glufosinat (von Bayer CropScience). Sogar die EuropĂ€ische Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA), nicht bekannt fĂŒr ihre kritische Haltung, hat seit 2011 wiederholt auf die Auswirkungen des Insektengifts auf wichtige BestĂ€uber wie Schmetterlinge hingewiesen. Auf der Grundlage der existierenden Daten könne beispielsweise fĂŒr geschĂŒtzte Schmetterlinge, BestĂ€uber, Bodenorganismen, Wild- und Nutztiere keine verlĂ€ssliche RisikoabschĂ€tzung erfolgen, so das Institut Testbiotech. Studien haben auch herausgefunden, dass der Wirkstoff Glufosinat die Entwicklung des Gehirns vermindert und Verhaltensstörungen hervorruft. Die EU-Pestizidgesetzgebung hat vorgeschrieben, es bis zum September 2017 nach und nach aus dem Verkehr zu ziehen.
Als Ergebnis hat die Kommission DuPont Pioneer zweimal ersucht, den Überwachungsplan zu Ă€ndern und Maßnahmen zur Risikominderung zu entwickeln – dies blieb aus. Dennoch fĂ€hrt die Kommission jetzt eine gentech-freundliche Linie und empfiehlt die Zulassung.
Weitere Informationen: Homepage von Martin HĂ€usling

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